Der Star war das Stadion!

Geschrieben von Roland Wegner am TPL_WARP_PUBLISH .

Bayerische Leichtathletikmeisterschaften in Augsburg. Was vor einigen Jahren noch unvorstellbar war, wurde am vergangenen Wochenende Wirklichkeit. Nach Gründung der LG Augsburg im Jahr 2010 und den Sanierungsmaßnahmen der Leichtathletikanlagen im altehrwürdigen Rosenaustadions 2015 wurden entsprechende Voraussetzungen geschaffen, um auch in Augsburg wieder Spitzensport anbieten zu können. Begleitet von einem stimmungsvollen bis begeisterten Publikum wurden beachtliche Leistungen erzielt. Der Star war aber das Stadion.

Ruhig und gelassen blieb Cheforganisator Christian Pfänder. Er wusste um die Erfolge seiner wochenlangen Arbeit. Über 200 Helferinnen und Helfer mobilisierte er für die zweitägige Veranstaltung. Unterstützt vom Bayerischen Leichtathletikverband und vielen anderen Vereinen konnte die Premiere für die LG Augsburg & Team nicht besser laufen. 

Sportlich den größten Paukenschlag erzeugte Maximilian Entholzner (1. FC Passau) über 100 Meter. Mit einer bisherigen Meldezeit von 10,56 Sekunden hatte man den 23-Jährige natürlich auf der Medaillenrechnung. Der Deutsche Vizemeister im Weitsprung überraschte im 100-Meter-Finale die Konkurrenten und sich selber mit der Siegerzeit von 10,29 Sekunden. Der Wind unterstützte dabei optimal mit 2,0 Metern pro Sekunde, so dass er über einen neuen Hausrekord jubeln durfte (Platz 5 in der aktuellen Bestenliste). Lokalmatador Alexandar Askovic (LG Augsburg) folgte dahinter in ebenfalls sehr starken 10,42 Sekunden. Auch wenn er mit dem Titel liebäugelte, freute sich über die Silbermedaille, da er eine Woche zuvor noch über muskuläre Probleme klagte. 

Die hochkarätigste Sprintentscheidung bei den Männern waren die 200 Meter am Folgetag. Sowohl der Deutsche Meister über 400 Meter (Johannes Trefz, LG Stadtwerke München) als auch der Deutsche Vizemeister (Patrick Schneider, LAC Quelle Fürth) der gleichen Strecke standen im Finale gegen den Augsburger Aleksandar Askovic, der nur mit der viertschnellsten Meldezeit (21,60 Sekunden) gelistet war. Wie die Feuerwehr begann Askovic das Rennen und führte ausgangs der Kurve einige Meter. Wohlwissend, dass die beiden Profilangsprinter ihre Stärken auf der Zielgeraden ausspielen werden. Die Zuschauer pushten Askovic auf der zweiten Hälfte des Rennens, der seinen immer knapper werdenden Vorsprung 198 Meter hielt, ehe Patrick Schneider ihm den Schneid mit 21,36 Sekunden gerade noch abkaufen konnte. Mit 21,40 Sekunden gewann Aleksandar Askovic seine zweite Vizemeisterschaft und freute sich umso mehr, dass er den Deutschen Langsprintmeister Trefz (21,56 Sekunden) bezwang.

Der größte Druck seitens dem sportlichen Team der LG Augsburg lastete aber auf Sonja Keil. Sie trat als Titelverteidigerin über 400 Meter Hürden der Frauen an und stieg erst vor kurzem nach einer Verletzung wieder ins Wettkampfgeschehen ein. Vom Start weg machte sie ordentlich Druck, so dass schon nach der 3. Hürde eine kleine Vorentscheidung fiel. "Ab diesem Moment konnte ich meinen Rhythmus laufen, keine Hürde stellte ein Hindernis dar", so die Berufsschullehrerin später. Sonja Keil gewann unter großem Jubel in 62,15 Sekunden die Goldmedaille zum zweiten Mal.

Freud und Leid liegen eng beieinander. Diese Feststellung musste Florian Bauer bei seinen beiden Stadionrunden machen. Am Samstag ohne Hürden sprintete er die 400 Meter in neuer Bestzeit von 50,84 Sekunden, was die Vizemeisterschaft in der Altersklasse U18 bedeutete. Euphorisiert wollte er am Sonntag über die Hürdendistanz noch etwas draufsetzen. Mit einem couragierten Rennen brachte er sich nach 200 Meter in Führung und baute diese sogar noch aus, so dass er kurz vor der Zielgeraden schon als sicherer Sieger galt. Doch ein kleiner technischer Fehler beim Überqueren der Hürde auf der Höhe von 300 Meter brachten ihn zu Fall. Er rappelte sich zwar sofort wieder auf und rannte mit Prellungen und Schürfwunden noch ins Ziel. Platz 4 und 58,54 Sekunden konnten ihn aber nicht trösten.

Eine überraschende Bronzemedaille holte sich Leila Killian über 400 Meter, denn nach einem nur mäßigen Start war sie bereits nach 100 Metern etwas abgeschlagen. Doch die Kämpfernatur drehte in der zweiten Kurve auf und brachte sie wieder auf Tuchfühlung. Ein beherzter Schlussspurt bedeuteten eine neue persönliche Bestleistung (58,43 Sekunden) und Platz 3.

Ebenfalls Bronze für die LG Augsburg gewann Dennis Edelmann im Kugelstoßen der Männer. Mit 17,34 Meter war er nur wenige Zentimeter von Silber entfernt. 

Kurz vor Ende der zweitägigen Meisterschaft lobte Jochen Schweizer, der Präsident des Süddeutschen Leichtathletikverbandes, die schwäbischen Organisatoren, aber auch die idealen Bedingungen im Rosenaustadion, die man unbedingt für weitere Wettkämpfe nutzen muss. Er versprach, sich als nächstes für eine Süddeutsche Meisterschaft oder gar eine Deutsche Jugendmeisterschaft stark zu machen.

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